Kann doch mal passieren
13.07.07 -
Manuel Neuer hat trotz kleiner Patzer in zwei Schalker Testspielen keine Angst vor Rückschlägen in der kommenden Saison: "Besser jetzt als in zwei Monaten". Mirko Slomka sieht in ihm die Nummer 1
Bad Radkersburg. "Irgendwann", so wurde Manuel Neuer prophezeit, "wirfst du dir die Bälle auch mal selbst in die Kiste." Es war die Warnung, dass einem sensationellen Höhenflug auch ein tiefer Absturz folgen könne. Doch mit solchen Prophezeiungen kann Schalkes junger Torwart nicht unbedingt was anfangen. "Das muss ja nicht so kommen", hat er bisher immer beteuert. Und er sagt es auch jetzt noch, obwohl ihm in den letzten beiden Schalker Testspielen schon recht dicke Bolzen unterlaufen sind. "Die können doch mal passieren", meint Neuer fast locker und fügt an: "Besser jetzt als in zwei Monaten."
Solche Sätze lässt der 21-jährige Junioren-Nationaltorwart der Königsblauen ganz ungezwungen raus. So, als würde er die Hektik und die Hast, die der moderne Profifußball so mit sich bringt, gar nicht erst an sich herankommen lassen. Und wenn er da so steht und mit einem Lächeln ein wenig in den sonnigen Himmel schaut, dann hat man durchaus das Gefühl, dass es ihm auch gelingt.
Manuel Neuer ruht trotz seiner Jugend offensichtlich schon fest in sich selbst. Dazu gehört auch, dass der in vielen Werten beste Torwart der zurückliegenden Saison etwas ungläubig auf Fragen reagiert, ob es nicht eine Belastung sei, erstmals als "gesetzter" Torwart in eine Bundesliga-Saison zu gehen. Sind die letzten Fehler nicht doch auf diese für ihn neue Situation zurückzuführen? "Nö", sagt Neuer einfach und schlicht, so, als sei das schon die ganze Antwort. Dann aber holt er doch aus und erklärt: "Ich war in der Rückrunde der letzten Saison ja auch schon die Nummer eins und habe deswegen keine Fehler gemacht."
Dass mit Mathias Schober ein erfahrener Konkurrent gekommen ist, kommentiert der Schalker Jungspund zwischen den Pfosten so, als sei es das Selbstverständlichste von der Welt. "Ich kann von Mathias sicher noch eine Menge lernen, aber Schiss habe ich vor ihm nicht. Ich habe vor keinem Gegner Schiss", bekräftigt Neuer. Das muss er auch nicht, denn der von Hansa Rostock geholte Alt-Schalker Mathias Schober räumt ein, "dass Manu erst einmal einen Vorsprung hat, weil er in der vergangenen Saison der beste Torwart in der Bundesliga gewesen ist". Aber Schober kündigt an: "Ich werde kämpfen."
Auch Trainer Mirko Slomka räumt Manuel Neuer, den er nach dem ersten Drittel der Vorsaison überraschend dem gesetzten Frank Rost vorgezogen hatte, den Stammplatz im Schalker Tor ein. Allerdings hat er beim gestrigen Training schon ein ernstes Wort mit ihm gesprochen. "Natürlich sage ich ihm, was er in meinen Augen falsch gemacht hat und wo er sich verbessern muss", erklärt Schalkes Chefcoach, der aber keine Zweifel aufkommen lassen will. "Manuel ist ganz eindeutig die Nummer eins bei uns", sagt Slomka klipp und klar.
Wenn es nach Neuer geht, muss sich der Trainer über ihn überhaupt keine Sorgen machen. "Es hat sich doch nichts verändert", sagt der Blondschopf mit einem treuen Augenaufschlag. Und als er merkt, dass ihm bei dieser Aussage doch Skepsis entgegen gebracht wird, versucht er, fast ein wenig mitleidig lächelnd, zu verdeutlichen: "Ich bin derselbe Manuel wie in der letzten Saison, und ich spiele nicht anders. Warum sollte ich?" Das Selbstvertrauen des Manuel Neuer scheint riesig. Und so, wie er es aus ausdrückt, glaubt man ihm, dass er es auch tatsächlich hat.
"Alles klar . . .?" Der Schalker Torwart fragt noch einmal gewinnend nach. Und als er den Eindruck hat, dass wirklich alles klar ist, setzt er sich auf sein Fahrrad und tritt in die Pedale, seinen Mitspielern hinterher. Die Schalker sind tatsächlich mit dem Radel da, denn die anderthalb Kilometer vom Hotel in Bad Radkersburg zum an der Grenze zu Slowenien gelegenen Sportplatz legen alle Königsblauen, auch Trainer und Manager, täglich mit dem Rad zurück.
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